Das Plastikmüll-Projekt – die Archäologie der Zukunft

Jedes Jahr gelangen viele Millionen Tonnen Plastikabfälle in die Meere, die dann für mehrere Jahrzehnte bis Jahrhunderte auf offener See treiben und sich dort zu riesigen Inseln zusammenfinden. 1997 wurde der Great Pacific Garbage Patch entdeckt. Dieser gigantische Müllstrudel bleibt den Augen der normalen Menschen jedoch verwehrt: Ein Grund vielleicht, warum viele von uns noch immer tagtäglich Unmengen an Plastik verwenden und in die Landschaft werfen. Die an den Stränden angeschwemmten Abfälle stellen nur einen Bruchteil des im Ozean befindlichen Mülls dar.

Um Lösungen für die Plastikverschmutzung in den Meeren zu finden, sind nicht nur Politiker gefragt. Auch wir Konsumenten sowie Designer und Produzenten können entscheidend zur Plastikreduzierung im alltäglichen Gebrauch beitragen. Das Herausfischen von Plastikabfall aus dem Meer, wie es etwa das Start-Up Projekt “The Ocean Clean-Up” in Zukunft versuchen möchte, ist eine fast endlose und wissenschaftlich noch nicht einwandfrei realisierbare Aufgabe. Wirksamere Ergebnisse können dadurch erzielt werden, dass auf unnötiges Plastik verzichtet und Recycling verbessert wird, nachhaltige Designs angefertigt sowie alternative Materialien gefunden werden.

The Plastic Garbage ProjectIm Jahre 2009 bekommt Christian Brändle, der Direktor des Museums für Gestaltung in Zürich, nach dem Lesen des Artikels „Eine Ahnung von Apokalypse“ die Idee zu einer Ausstellung zur Archäologie der Zukunft. Das Plastikmüllprojekt wurde geboren. 2010 kommen die zwei ersten Kisten voll Plastikschwemmgut an, die von der Beach Environmental Awareness Campaign auf Hawaii gesammelt wurden. Studierende der Vertiefung Scientific Visualization untersuchten die Zeugen unserer heutigen Zivilisation als seien es archäologische Fundstücke. 2011 wurde in Kooperation mit der internationalen Taucherorganisation Project AWARE der während Tauchgängen gefundene Plastikmüll nach Zürich gesendet. Auch von Hawaii und anderen Organisation auf Bali und in Deutschland bekam das Projekt weiteren Müll zugeschickt. Nachdem 2012 ein letzter Müllcontainer aus Hawaii ankam, wurde die Ausstellung aufgebaut.

Am 03. Juli 2012 wurde die Ausstellung in Zürich eröffnet und zog bis Ende Oktober 35779 Besucher an. Seitdem tourt der Plastikmüll-Container durch ganz Europa, um auch in anderen Ländern auf die erschreckende „Archäologie der Zukunft“ aufmerksam zu machen. Denn vielleicht wird der Plastikmüll unserer Generation den Archäologen in einer fernen Zukunft Auskünfte über unsere Gesellschaft und verschwenderische Lebensform geben.